Die Welt des Schachs Band 1 – Teil 1

Teil 1 Der Kaukasus – Eldorado des Schachspiels

Der Kaukasus, jener über 1000 km lange und rund 180 km breite Hochgebirgszug zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, beherbergt die Völker der Georgier, der Abchasen, Tscherkessen, Osseten, aber auch der Armenier und Aserbaidschaner und viele andere kleinere Stämme. So werden hier neben den Hauptsprachen Georgisch, Mingrelisch, Swanisch, Abchasisch, Kabardinisch, Awarisch, Darginisch, Lesgisch und Armenisch noch rund 50 weitere Sprachen gesprochen, wobei einige davon nur noch in einzelnen abgelegenen Bergdörfern vorkommen.

Wie Geowissenschaftler erst in jüngster Zeit herausgefunden haben, gehörten früher die Pyrenäen, die Alpen, der Kaukasus und der Himalaja zu einer durchgehenden Hochgebirgskette, die sich noch weiter nach Südosten erstreckte und in Neuseeland endete. Vor  ca. 50 Millionen  Jahren  zerbrach dieses Hochgebirge und es bildeten sich eigenständige Gebirgsgruppen.

Der Kaukasus – Früher als „Kaukasische Sowjetrepubliken“ von Stalin eisern zusammengehalten, drängten die einzelnen Völker nach der Auflösung der Sowjetunion zurück zu alter Selbständigkeit, was nicht ohne Blutvergießen abging.

Die moderne Geschichte im ethnischen Irrgarten Kaukasus beginnt vor gut 200 Jahren mit dem russischen Protektorat über die Fürstentümer Westgeorgiens. Der erste Kaukasuskrieg (1834 – 1864) zwischen Russland und den aufständischen Stämmen – wobei sich besonders der Widerstandskämpfer und Guerillaführer Imam Schamil (*1797 – †1871), der Begründer eines theokratischen Imanats, hervortat – endeten mit dessen Gefangennahme Anfang der sechziger Jahre im 19. Jahrhundert.

Zwar galt nun der Kaukasus als befriedet, aber unter der Decke gärte es weiter und so kam es gegen Ende der zwanziger Jahre im 20. Jahrhundert sogar zu Partisanenkämpfen der Kaukasusvölker gegen die Rote Armee. Darauf setzte eine Verhaftungs- und Hinrichtungswelle durch den sowjetischen Geheimdienst im Nordkaukasus ein und über eine Million Karatschaier, Tschetschenen, Inguschen, Balkaren und andere wurden nach Mittelasien deportiert. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Rehabilitierung dieser Menschen und sie konnten in ihre alte Heimat zurückkehren.

Dass es aber immer noch im unruhigen Kaukasus gärt, zeigten die Tschetschenen, die gegenüber Russland 1991 ihre Unabhängigkeit erklärten, was zur Folge hatte, dass 1994 russische Truppen in Tschetschenien einmarschierten.

Die Bilder dieses sinnlosen Krieges gingen ja via Satellit um die Welt. Erst dem russischen Sicherheitsberater General Alexander Lebed (Fernsehbilder zeigten ihn beim Schachspielen in Tschetschenien) gelang es Ende August 1996, die Waffen zum Schweigen zu bringen. Mit dem tschetschenischen Militärchef Aslan Maschadow setzte er einen Schlussstrich unter den Waffengang, der 50.000 Menschen das Leben gekostet hatte.

Wie kommt es nun, dass gerade dieser Landstrich so viele hervorragende Schachspieler und vor allen Dingen auch Schachspielerinnen hervorgebracht hat? Hat das über Jahrhunderte Aufbegehren, sich Auflehnen, Bekriegen und Widerstand leisten ein besonders, für das Schachspiel geeignetes Gen entwickelt? (Diese These wird sich vom wissenschaftlichen Standpunkt wahrscheinlich nicht halten lassen.)

Also eher eine zufällige Ansammlung von guten Schachspielern in einer von der Natur begünstigten Region? Wie dem auch sei, im Folgenden sollen uns die drei für das Schachspiel bedeutendsten Länder des Kaukasus beschäftigen: Georgien, Armenien und  Aserbaidschan.

Wir folgen auszugsweise dem Buch: Helmut Wieteck – Die Welt des  Schachs Band 1
Edition Jung 2008, DIN A5, 308 Seiten, kartoniert.

 

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