Teil 8 Island – die Schachinsel
Island, die zweitgrößte Insel Europas mit 103.100 km2, wird von etwa 270.000 Menschen bewohnt, die vorwiegend an den Küsten siedeln, wenn sie nicht, wie rund 95.000, in der Hauptstadt Reykjavik leben. Seit 874 von den Norwegern besiedelt, wurde etwa um das Jahre 1000 das Christentum eingeführt. Blutige Bürgerkriege durchzogen das Land, das dann ab 1262 zu Norwegen kam und 1380 an Dänemark fiel. 1874 endlich bekam das Land eine eigene Verfassung und 1918 volle Selbständigkeit und blieb als Königreich mit Dänemark in Personalunion verbunden.
1944 erklärte sich eine große Volksmehrheit für die Lösung von Dänemark und für die Republik als Staatsform. Das Eiland im Nordatlantik, am Rande des nördlichen Polarkreises, kann auf eine lange Schachtradition zurückblicken. Schon aus dem frühen Mittelalter sind Berichte über das Schachspiel überliefert. Später berichtete der englische Schachmeister Francis Eastwood Purchas (*1855 -†?), der auf seinen Reisen auch die Insel der Geysire besuchte, von den ausgeprägten Vorlieben der Isländer für das Schachspiel: „Sogar in der Nacht im Bette, spielen sie dieses Spiel, wobei sie sich von ihren Bediensteten das Licht halten lassen.“ 1900 gründete der Amerikaner Daniel Willard Fiske, der am 11.11.1831 in Ellisburg im Staate New York geboren wurde und am 17.9.1904 in Frankfurt a.M. verstarb, den ersten Schachverein in Reykjavik. Der Philologieprofessor und Gründer der New Yorker Schachzeitschrift „The Chess Monthly“, der eng mit Paul Morphy befreundet war, übersiedelte sogar für einige Zeit nach Island, um dort ein Weltschachzentrum aufzubauen. Im 20. Jahrhundert nahm das Schachspiel auf der Insel bis dahin unbekannte Ausmaße an. Als der Weltmeister Alexander Aljechin 1931 eine Simultanvorstellung auf der Insel gab, unterbrach sogar das Parlament seine Sitzung, um an diesem Spektakel teilzunehmen. Die Ehrung des isländischen Großmeisters Fridrik Olafsson (*26.1.1935 in Reykjavik), der als erster 1958 den GM-Titel auf die Insel holte, nachdem er schon seit 1956 IM war, wurde zu einem Nationalfeiertag. Der Jurist Olafsson war von 1978 bis 1982 sogar Präsident der FIDE.
Zum größten Schachspektakel Anfang der 70er Jahre geriet 1972 „Der Nervenkrieg in Reykjavik“, wie der SPIEGEL damals in großer Aufmachung titelte: Der Wettkampf zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer. spätestens seit jenen Tagen ist Schach auf der Insel ein Nationalsport und wurde in den Schulen als Unterrichtsfach eingeführt. Schachturniere nehmen vom Umfang her durchaus die Maßstäbe von Fußball- oder Handballveranstaltungen an. (Wobei Handball nach Schach der zweite große Sportmagnet auf der Insel ist). Gemessen an der Bevölkerungszahl hat Island die größte Großmeisterdichte der Welt! Viele Intellektuelle auf dem Eiland sind begeisterte Schachfans, ob der Dichter und Nobelpreisträger Halldór Kiljan Laxness (*23.4.1902), der mit seiner Romantrilogie „Islandglocke“ (1943 – 1946) Weltruhm erlangte, oder der Schriftsteller Thorarinn Eldjarn, der z.B. unlängst die verschmitzte Rechnung aufmachte: Dass Russland, wenn es beim Schach mit Island und seinen sechs Großmeistern mithalten möchte, etwa 6.000 Großmeister stellen müsste. Wobei Eldjarn noch zwei GM unterschlagen hat, denn Island hat z.Zt. acht Großmeister und der neunte, der IM Thröstur Thorhallsson, steht auf dem Sprung ins GM-Lager. Womit in Island ein GM auf 30.000 Einwohner kommt (In Deutschland einer auf ca. 4 Millionen). Führt man auf diesen neuen Zahlen die Rechnung von Eldjarn fort, so müsste Russland fast 10 000 Großmeister stellen.
Der große alte Mann des Schachs auf Island ist Fridrik Olafsson, der bereits mit 16 Jahren isländischer Landesmeister wurde und ein Jahr später das Championat der skandinavischen Länder gewann. 1953 teilte er sich zusammen mit Ivkov den dritten bis vierten Platz bei der Jugendweltmeistrschaft hinter Panno und Darga, erfochte in den folgenden Jahren eine Reihe von Turniersiegen und drang 1959 sogar bis ins Kandidatenturnier vor.

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