Die Welt des Schachs Band 1 – Teil 9

Teil 9 Schottland  –  Schach im Land der Moorhühner

Die Geschichte der Schotten geht bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die keltischen Pikten sich über das Land ausbreiteten. 1000 Jahre später im 5. Jahrhundert n.Chr. drangen dann die irischen Scoten nach Schottland vor, wonach das Christentum Fuß fassen konnte und eine wechselvolle Geschichte der Eroberungen und Zurückeroberungen begann. Wobei die Einwohner besonders unter den Raubzügen der Normannen zu leiden hatten, die sich schließlich auf der Insel festsetzten und die Entwicklung Schottlands maßgeblich beeinflussten. Das Mittelalter mit den wechselnden Clans erlebte 1314 eine Zensur, als nach der Schlacht von Bannockburn die Engländer gezwungen wurden, das schottische Königreich anzuerkennen.

In der Reformationszeit trat dann der Gegensatz zwischen Adel und Königshaus zu Tage, in dem das Königshaus katholisch blieb, der Adel sich aber zum neuen Glauben bekannte. Als Königin Maria Stuart versuchte, mit französischer Unterstützung die Rekatholisierung ihres Landes durchzuführen, wurde sie 1567 gestürzt und floh 1568 nach England, wo sie 1587 hingerichtet wurde. Ihr Sohn Jakob I. schließlich verband England und Schottland in Personalunion, da das englische Königshaus Tudor nach Elisabeth I. ausgestorben war. 1707 erfolgte die endgültige Realunion zwischen England und Schottland im Königreich Großbritannien. Doch die Autonomiebestrebungen der Schotten waren immer latent vorhanden, und so sprach sich 1997 die schottische Bevölkerung in einem Referendum für die Einrichtung einer eigenständigen schottischen Volksvertretung aus, deren 129 Abgeordnete am 6.5.1999 gewählt wurden. Das neue Parlament erhielt u.a. die gesetzgeberischen Kompetenzen für die Bereiche Gesundheitswesen, Schul- und Berufsbildung, Polizei sowie Straf- und Zivilrecht.

Schottland mit einer Größe von 77.000 Quadratkilometern und einer Bevölkerungszahl von 5,1 Millionen Einwohnern ist heute auf dem Weg von einem Agrar- zu einem High-Tech-Land. Das ozeanische Klima (kühle Sommer, milde Winter) ist nebel- und niederschlagsreich und begünstigt den Weide-, Moor- und Heidereichtum des Landes. War deshalb früher die Schafzucht ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so rückt nun immer mehr die Elektronikindustrie in den Vordergrund. Sie  beschäftigt bereits weit über 40.000 Menschen, davon im Bereich Halbleiter: 4500, Informationstechnik: 10.000, Telekommunikation: 15.000, Software: 20.000.

Schach wurde bei den Schotten schon recht früh gespielt, bereits 1822 etablierten sich in Edinburgh und Glasgow die ersten Schachklubs und 1884 gründete sich die Scottish Chess Association. Doch nun zeigte sich, dass der Weltfernschachbund die nationalen Verbände von England, Schottland und Wales nicht anerkannte und die Schotten so als Mitglieder des britischen Teams auftreten mussten. Dies änderte sich erst 1924 mit der Gründung der FIDE. Von nun an war Schottland ein eigenständiges Mitglied des Weltschachbundes und durfte selbstständig an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Bei ihrem ersten Auftreten bei der Schacholympiade 1933 in Folkestone kamen die Schotten nicht über den letzten, den 15. Platz, hinaus und Robert Forbes Combe (*1912 – †1952) am 5. Brett unterlag in der kürzesten Schachpartie von allen bisher gespielten Olympiaden.

Großes Interesse erregte 1831 der Fund von Schachfiguren, die aus Walross-Elfenbein geschnitzte waren und die eine Kuh an der Westküste der Insel Lewis auf den Hebriden beim Weiden losgetreten hatte. Experten errechneten das Alter der Figuren und kamen zu der Ansicht, dass eventuell schon um das Jahr 800 herum in Schottland Schach gespielt wurde. Vieles spricht dafür, dass die Wikinger die Figuren mitbrachten, die diese wahrscheinlich auf ihren Raubzügen in Island erbeutet hatten. Heute befinden sich die wertvollen Figuren zum Teil im Britischen Museum in London und im National Museum of Antiquities in Edinburgh. Die Hauptstadt Edinburgh ist mit 440.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Schottland nach Glasgow.

Wir folgen auszugsweise dem Buch: Helmut Wieteck – Die Welt des  Schachs Band 1
Edition Jung 2008, DIN A5, 308 Seiten, kartoniert.

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