Teil 10 San Sebastian – Schach im Baskenland
Das spanische Baskenland, seit 1979 die autonome Region Baskenland, umfasst die Provinzen Guipuzcoa, Vizcaya und Alava. Es hat eine Größe von 7.261 Quadratkilometern und rund 2,16 Millionen Einwohner. Neben der Hauptstadt Vitoria sind weitere bedeutende Städte Bilbao und San Sebastian, die Hafenstadt im Norden Spaniens, eines der beliebtesten Seebäder an der Mündung des Urumea in den Golf von Biscaya. Die Stadt wurde 1014 erstmals erwähnt und war die frühere Sommerresidenz des Königs. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 170.000.
Die Ursprünge der Basken, die sich selbst als Euskaldun bezeichnen, sind seit geraumer Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Ihre Sprache, die als einzige in Westeuropa nicht zur indoeuropäischen Sprachenfamilie gehört, ihre Sitten und Gebräuche unterscheiden sich von denjenigen aller anderen europäischen Völker. In schriftlichen Aufzeichnungen werden die Basken im 1. Jahrhundert v. Chr. erstmalig erwähnt: Sie leisteten den von Spanien kommenden römischen Eroberern erfolgreich Widerstand und bewahrten sich darüber hinaus während der gesamten römischen Herrschaft ihre Unabhängigkeit. Sie trotzen auch den Mauren, die zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert den größten Teil der Iberischen Halbinsel besetzt hielten und die wahrscheinlich das Schachspiel nach Europa brachten. Heute erlangt das Baskenland durch die Anschläge der ETA (Euskadi ta Askatasuna), einem Flügel der baskischen Separatistenbewegung, traurige Berühmtheit.
Ende des Jahres 1910 verkündete die Badedirektion des Seebades San Sebastian, dass zu Anfang des Jahres 1911 im „Gran Casino“ ein großes internationales Schachturnier veranstaltet werden solle. Eingeladen wurden Spieler die schon einmal in einem Meisterturnier Sieger geworden waren oder mindestens zweimal den 2., 3. oder 4. Preis gewonnen hatten. Diese Forderung konnte nur einer der Eingeladenen nicht erfüllen, der 23 Jahre alte José Raoul Capablanca y Graupera. Der Junge war über den großen Teich gekommen, weilte nun zum ersten Mal in Europa und stieß bei den renommierten Meistern auf Ablehnung. Besonders Ossip Bernstein, unterstützt von Nimzowitsch, sprach sich gegen die Teilnahme Capablancas aus, der ja noch keine großen Erfolge in der Turnierarena nachweisen konnte. Doch die Rache des Neuen ließ nicht lange auf sich warten. Schon in der ersten Runde schlug er Bernstein in einer mit dem Schönheitspreis ausgezeichneten Partie und verschaffte sich so sogleich den nötigen Respekt im Turnier. Mit 9,5 Punkten siegte schließlich Capablanca und gewann damit sein erstes internationales Turnier in seiner Laufbahn. Doch der moralische Sieger hieß eigentlich Rubinstein, der als einziger Capablanca besiegte und ohne einen Verlustpunkt blieb. Eine kleine Begebenheit noch vor dem Turnierbeginn hätte die Beteiligten aufhorchen lassen müssen. Nimzowitsch, der mit Bernstein eine freie Partie spielte, fühlte sich vom zuschauenden Capablanca gestört und meinte hochmütig: „Hier spielen erfahren Meister, diesen Titel müssen Sie sich noch erst verdienen!“ Capablanca lächelte nur und schlug Nimzowitsch vor, gegen einen kleinen Einsatz einige Partien zu spielen. Nimzowitsch nahm an und verlor eine Partie nach der anderen. Als dann die Auslosung bekannt gegeben wurde und Bernstein gleich in der ersten Runde gegen den Kubaner zu spielen hatte, war die Heiterkeit unter den Teilnehmern groß.

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