Die nachfolgende Legende ist fast allen Schachspieler bekannt. Wenn nicht hier ist sie. Sie veranschaulicht in besonderem Maße die Größe des Schachspiels das die Unerschöpflichkeit der Möglichkeiten und Partieverläufe im Schach versinnbildlicht.
Die Weizenkorn – Legende
Im 3./4. Jahrhundert n.Chr. regierte in Indien ein Herrscher Namens Shihram seine Untertanen mit eiserner Hand und stürzte unter seiner Tyrannei sein Land in Not und Elend. In der Hoffnung die Lage des armen Volkes zu bessern, schuf der weise Brahmane Sissa ibn Dahir ein besonderes Spiel, um damit die Aufmerksamkeit des Königs auf dessen Fehler zu lenken, ohne dabei seinen ungezügelten Zorn zu entfachen. Nach dessen Vollendung brachte Sissa sein neues Brettspiel, in dem die wichtigste Figur, der König, ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten kann, dem tyrannischen Shihram als Geschenk dar. Der Unterricht im Schachspiel machte auf den König einen so starken Eindruck, dass er mit der Zeit tatsächlich milder wurde und seinen Untertanen gegenüber mehr Großzügigkeit und Gnade aufbrachte.
Um sich für die anschauliche Lehre von Lebensweisheit und zugleich Unterhaltung gebührend zu bedanken, gewährte der König dem Brahmanen Sissa einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich lediglich Weizenkörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld die doppelte Menge, also zwei, auf das dritte wiederum doppelt so viele, also vier und so weiter bis alle Schachfelder voll waren. Der König lachte über den, seiner Meinung nach, einfältigen Wunsch und war gleichzeitig auch etwas erbost ob der vermeintlichen Bescheidenheit des Brahmanen. Aber er ließ Sissa gewähren und versprach ihm feierlich und voller Hochmut seine Weizenkörner.
Als sich Shihram einige Tage später bei seinen Höflingen erkundigte, ob der Brah-mane seine Belohnung schon in Empfang genommen habe, musste er erstaunt hören, dass die königlichen Rechenmeister die Menge der Weizenkörner noch nicht berechnen konnten. Nach mehreren Tagen ununterbrochenen Kopfzerbrechens und harter Arbeit meldete der Vorsteher der Kornkammer schließlich, dass er die Menge der verlangten Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne.
Auf allen Feldern zusammen wären es insgesamt 264−1 oder 18.446.744.073.709.551.615 Weizenkörner!
Zur Veranschaulichung: Die gesamte Menge Weizen, die sich auf dem Schachbrett befände (ca. 922 Mrd. t bei einem Einzelkorngewicht von 0,05 g), entspricht etwa der 1500-fachen weltweiten Weizenernte des Jahres 2004 (624 Mio. t)!
Nun stellte sich König Shihram die Frage, wie das unmögliche Versprechen an Sissa bloß eingelöst werden könne. Schließlich wollte er nicht als Tölpel darstehen, oder als ein Herrscher, der sein Wort bricht. Dem entnervten Rechenmeister kam schließlich die Idee, wie er seinem König aus der Verlegenheit helfen konnte. Er gab ihm die simple Em-pfehlung: „Lasse Sissa doch ganz einfach selbst das Getreide Korn für Korn bis zum Ende zählen!”




