Die Welt des Schachs Band 1 – Teil 2

Teil 2 Georgien

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Pietisten aus Württemberg auswanderten und im Kaukasus eine neue Heimat suchten, wurden sie die Stammväter der Georgiendeutschen und trafen auf ein Land, das schon das Christentum seit dem vierten Jahrhundert zur Religion erhoben hatte. Die frommen Schwaben gründeten nahe der Hauptstadt Tiflis einige Dörfer, die sie Katharinenfeld, Helenendorf oder Alexanderhilf nannten und die so auch in ihrer alten schwäbischen Heimat hätten stehen können.

So sieht denn auch noch heute Tiflis, in der ca. 1,5 Millionen Menschen leben, mit den vielen im westlichen Stil gebauten Häusern recht europäisch aus und die gebildeten Hauptstädter, von denen viele neben russisch auch englisch, französisch oder gar deutsch sprechen, geben der georgischen Metropole mit ihren Straßencafés ein internationales Flair.

Die Landeswährung ist zwar der Lari, aber die Leitwährung ist der US-Dollar, der überall getauscht wird. Auch der EURO wird gerne genommen. (1 Lari  =  ca. 0,76 €)

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde erneut Deutschland der wirtschaftliche und kulturelle Wunschpartner der Georgier. War doch schon einmal ein Deutscher, der General Friedrich Kress von Kressenstein, gleich nach dem ersten Weltkrieg hoch zu Ross und im Gefolge von 30.000 deutschen Soldaten den von den Türken bedrängten Georgiern zu Hilfe gekommen und hatte Tiflis verteidigt, was eine langanhaltende deutsch/georgische Freundschaft begründete.

So wurde denn auch einer der beliebten Aussprüche bei den Georgiern, als sie die rund 100.000 „Beute-Bücher“ aus dem Zweiten Weltkrieg zurück-gaben: „Ein Georgier hat Deutschland geteilt (Stalin), und ein Georgier hat es wieder vereint. Womit der ehemalige sowjetische Außenminister und amtierender Staatspräsident Eduard Schewardnadse gemeint war.

Die junge Republik am Schwarzen Meer ist mit rund 70.000 Quadratkilometern so groß wie Irland und hat 5,5 Millionen Einwohner. Darunter: 69% Georgier, 9% Armenier, 7% Russen, 5% Aserbaidschaner.

Im 13. Jahrhundert von Mongolen besetzt, später unter türkischer und persischer Herrschaft, von Russland im Jahre 1801 annektiert, erfolgte die Unabhängigkeitserklärung am 9.4.1991.

95% des russischen Teebedarfs wird in Georgien angebaut; ferner Zitrusfrüchte, Tabak und Wein. Bodenschätze: Kohle und Mangan.

Der berühmteste (berüchtigste) Sohn des Landes wurde Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili. In Gores bei Tiflis geboren, ging er 1894 in Tiflis auf das Priesterseminar und schrieb Gedichte über das Heldentum und die Schönheit der Landschaft. Er nannte sich jetzt „Koba“, dann wurde er „Berufsrevolutionär“ und schloss sich der vom Zaren verbotenen „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ an. Er wurde verhaftet und nach Sibirien in die Verbannung geschickt, schlug sich später auf die Seite der Bolschewiki und wurde bekannt unter dem Namen „Stalin.“

Das Schachspiel hat in  Georgien eine lange Tradition und fand um die Jahrhundertwende in dem Fürsten Dadian von Mingrelien einen starken Spieler und Förderer.

Ins Auge fällt die große Zahl von Schachspielerinnen in Georgien. So kommen zwei der bedeutendsten Weltmeisterinnen aus diesem Land, das auch gleichzeitig eine ansehnliche Zahl von starken Großmeisterinnen auf-zuweisen hat.

Die Georgierinnen – jede achtzigste spielt angeblich wettkampfmäßig Schach, – die in der alten Sowjetunion lange Jahre die komplette Nationalmannschaft stellten, errangen bei der Schacholympiade 1992 in Manila  die Goldmedaille.

Wie die Legende zu berichten weiß, soll zum Hochzeitsgut einer jeden Georgierin ein Schachbrett mit Figuren gehören. Sieht man sich die Liste der Schachmeisterinnen aus diesem Land an, ist man versucht diese Geschichte für bare Münze zu nehmen.

Wir folgen auszugsweise dem Buch: Helmut Wieteck – Die Welt des  Schachs Band 1
Edition Jung 2008, DIN A5, 308 Seiten, kartoniert.

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