Schachfieber
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Dr. Max Euwe / Dr. Kurt G. Köhler
Fischer und seine Vorgänger
Fischers aufsehenerregenden Resultate Beginn der siebziger Jahre haben die gesamte Schachwelt in Aufregung versetzt. Hat Caïssa jemals einen solchen Helden gehabt? Eine derartige Reihe brillanter Erfolge ist in der Schachwelt selten vorgekommen. Zwischen dem Internationalen Turnier zu Palma de Mallorca 1970 und dem berühmten Zweikampf um die Weltmeisterschaft in Reykjavik 1972 sind die Schachliebhaber Zeuge gewesen von einer ununterbrochenen Serie ruhmreicher Leistungen, so dass die Frage berechtigt war: "Ist Fischer der größte Schachspieler aller Zeiten?".
Diese Frage hat mich dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben. Auf zahlenmäßiger Basis ist es kaum möglich, zwischen den heutigen Leistungen und Leistungen aus der Vergangenheit zu vergleichen, obwohl in der Einleitung dieses Buches dazu doch ein Versuch gemacht wurde. Dieser Versuch beruht auf den in der Schachwelt allgemein akzeptierten statistischen Methoden, die von Professor Elo entwickelt wurden.
Aber man darf sich nicht zufrieden geben mit dem Versuch, die gestellte Frage ausschließlich auf mathematische Weise zu beantworten. Ich habe deshalb probiert, bestimmte Aspekte von Fischers Stil zu beleuchten und diese zu vergleichen mit ähnlichen Aspekten in den Spielen der 3 zuletzt verstorbenen Weltmeister.
Solche Vergleiche können niemals vollständig sein. Das Eröffnungsrepertoire verändert ständig und auch die Spielstärke der Spitzenspieler ist variabel; folglich war auch der Widerstand, den die verschiedenen Weltmeister in ihrer Zeit zu überwinden hatten, nicht immer gleich groß. Doch hoffe ich, mit diesem Buch einen Eindruck gegeben zu haben von der Kapazität der früheren Weltmeister im Vergleich zu der von Fischer.
Die Partien der Weltmeister sind Gemeingut und sind fast ausnahmslos gründlich analysiert, im Allgemeinen durch mehr als einen Kommentator. Deshalb bestand meine hauptsächlichste Aufgabe nicht in der Analyse, sondern in der Auswahl und der Präsentation von Partien, die ich am typischsten für den Stil von Fischer und seinen Vorgängern beschaute. Die Erwähnung der Bearbeiter war nur in einzelnen Fällen möglich, wenn nämlich deutlich war, wer der erste Bearbeiter einer gegebenen Analyse war. In den meisten Fällen laufen die Analysen der verschiedenen Bearbeiter parallel und es ist ein hoffnungsloses Unterfangen, alle Namen der Kommentatoren zu nennen, die sich mit einer bestimmten Partie beschäftigt haben.
Prof. Dr. M. Euwe
Euwe ist in seinem niederländischen Buch "Fischer en zijn voorgangers" (Fischer und seine Vorgänger) einer in allen Gesellschaftskreisen viel-diskutierten Frage über die Stellung und Stärke Fischers in der Schachwelt nachgegangen. Seinen Untersuchungen, Darstellungen und Schlußfolgerungen ist nichts hinzuzufügen.
"Fischer en zijn voorgangers" von Euwe kann als sein gelungenes Alterswerk betrachtet werden. Er konnte dieses Buch schreiben, weil er mit allen hier besprochenen Spielern die Klingen gekreuzt hatte und sie persönlich (gut) kannte. Dadurch erhält das Buch im Grunde genommen einen besonderen schachhistorischen Wert mit persönlichem Einschlag.
Neben diesem schachhistorischen Wert liegt sein Wert im methodischen Aufbau, wodurch es zu einem Lehrbuch des Schachspiels auf strategischem, taktischem und teilweise psychologischem Gebiet geworden ist. Vergleiche z.B. mit den Werken von Eduard Lasker ("Moderne Schachstrategie"), Aljechin ("Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft" und "My best games of chess") und Hans Müller ("Botwinnik lehrt Schach") drängen sich auf.
Fischers schachlichen Leistungen verdienen in Erinnerung gerufen zu werden. Er ist der auf dem Schachbrett nicht entthronte Weltmeister. Genießen wir die hier von Max Euwe vorgestellten Partien und die Beurteilung seines Stils in einem Vergleich mit seinen Vorgängern.
Dr. Kurt G. Köhler










