Schachfieber
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Helmut Wieteck
Schach zur Kaiser- und Zarenzeit
Dieses Buch berichtet von einer Epoche, die auch gerne als „die gute alte Zeit“ beschrieben wird. Gekrönte Häupter regierten
hüben (Kaiserreich) wie drüben (Zarenreich) und die Welt schien in Ordnung zu sein.
Erfindungen und Neugründungen von Industrieunternehmungen hatten das 19. Jahrhundert zu einer prosperierenden Zeit werden lassen. Man denke nur an das Aufkommen der Eisenbahn, der Elektrizität, der Dampfkraft oder im medizinischen Bereich an die segensreiche Einführung der Narkose, der Schutzimpfung usw. Männer wie Werner Siemens Starkstromtechnik), Walter Rathenau (AEG) oder August Borsig (Lokomotiv- und Maschinenbau), hatten mit ihrem Unternehmertum für Arbeit und Brot gesorgt, und so strömten die Menschen nach Berlin, um hier ihr Auskommen zu finden.
Ähnlich in Russland, das dank seiner Rohstoffe und seiner räumlichen Ausdehnung gute wirtschaftliche Voraussetzungen bot. Hier war der Bau der Transsibirischen Eisenbahn (1891 – 1916), mit einer Strecke von über 11.000 Km, eine gewaltige technische Leistung.
Es war eine Zeit im Aufbruch und die Menschen in Deutschland waren von ihrem jungen Kaiser Wilhelm II. begeistert, der
versprach, sie besseren Zeiten entgegenzuführen. Krieg schien undenkbar, ja in Zeitungsartikel konnte man lesen, dass es einen Krieg zwischen den Großmächten nie mehr geben werde. Waren doch die Repräsentanten von Deutschland und
Russland sogar miteinander verwand. (Wilhelm II. und Nikolaus II. waren Vettern)
Das Schachspiel gedieh in diesem friedfertigen Klima großartig. Deutschland, das sich um die Jahrhundertwende zur ersten
Schachnation aufgeschwungen hatte, veranstaltete große internationale Turniere wie in Baden-Baden, Leipzig, Hamburg,
Nürnberg, Breslau, Köln, München oder Berlin. Während sich in Russland die Turniertätigkeit auf Moskau und besonders auf
St. Petersburg konzentrierte.
Spieler wie Adolf Anderssen, Louis Paulsen, Siegbert Tarrasch oder der Weltmeister Emanuel Lasker in Deutschland, und Carl
Friedrich von Jänisch, Simon Alapin, Emanuel Schiffers und der Begründer der russischen Schachschule Michail Tschigorin in
Russland, prägten das Schachspiel und brachten eine Schachkultur hervor, die zur Gründung von neuen Schachklubs führte, sowie eine Fülle von Schachbücher und Schachzeitschriften erscheinen ließen. Neue theoretische Erkenntnisse im Schach blieben nun nicht mehr über Jahre geheim, sondern machten in Partieanalysen und Besprechungen schnell die Runde um die Welt.
Doch dann so peu à peu mehrten sich hüben wie drüben starke patriotische Töne, zwar war in den Briefen der beiden Vettern
immer noch die Rede vom lieben „Willi“ und vom lieben „Niki“, aber jetzt zeigte sich immer mehr, welch unglückseligen
Maximus Rex sich die Deutschen eingefangen hatten. Sein Säbelrasseln schreckte die Welt auf und nach den Schüssen von
Sarajewo waren die Völker nicht mehr zu halten. „Die Völker waren Friedensmüde“, meinte später ein Politiker und er dürfte
nicht so ganz unrecht gehabt haben.
Das was kommen musste, kam dann auch 1914. „Wir sind einfach so in den Weltkrieg hineingeschlittert“, meinte ein
englischer Diplomat. Und als die Apokalyptischen Reiter weiter gezogen waren und die hungernden Menschen wieder den Kopf hoben, sahen sie den deutschen Kaiser in Holland beim Holzhacken, während der liebe „Niki“ mit seiner gesamten Familie in einem Keller in Jekaterinburg, auf Befehl von Lenin, gemeuchelt worden war.
Doch nun kam eine neue Zeit, in der die beiden ehemaligen Kaiser- und Zarenreiche in eine abstruse Epoche glitten
(Nationalsozialismus und Kommunismus). Wonach die Aussage eines französischen Journalisten, der noch zu Anfang des
Jahrhunderts gemeint hatte, dieses Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Deutschen werden, als ad absurdum geführt
wurde. Denn dieses 20. Jahrhundert, sollte zum blutrünstigsten Jahrhundert in der Geschichte der Menschheit werden.
Als es zu Ende war, blickte die Welt auf gut 60.000 Millionen Tote durch die Nazis und noch einmal auf 100.000 Millionen
Tote durch den weltweit agierenden Kommunismus zurück. Wahrlich ein schreckliches Jahrhundert.

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