Schachfieber

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Gerd Wilhelm Hörning und Gerhard Josten

Schach zwischen Krieg und Kunst

Das Titelbild zeigt eine bemerkenswerte Abbildung aus dem berühmten „Codex Alfonso“, den der spanische König Alfonso X., genannt der Weise, (* 23. November 1221 † 4. April 1284), im Jahre 1283 zusammenstellen ließ. Streng genommen war Alfonso nur König von Kastilien und León im heutigen nördlichen Spanien, denn die iberische Halbinsel befand sich damals noch zu großen Teilen in den Händen der Mauren, die – beginnend mit dem Jahr 711 – große Teile des Landes in ihre Hand bekommen hatten. Alfonso war im Rahmen der so genannten „Reconquista“ maßgebend an der Rückeroberung der besetzten Gebiete beteiligt, die erst 1492 mit der Eroberung des maurischen Granadas ihren Abschluss fand.

Das Bild zeigt einen Araber und einen Spanier friedlich am Schachbrett vereint, eine Darstellung, die der damaligen rauen Wirklichkeit also nicht ganz entspricht, denn es herrschte immer noch Krieg zwischen den mohammedanischen Arabern und den christlichen Spaniern. Uns beeindruckte an dieser Darstellung der außergewöhnliche Umstand, dass im Buch von Alfonso zwei im wirklichen Leben tief verfeindete Parteien im Schachspiel freundschaftlich miteinander verbunden waren. Wie die beiderseitigen Handbewegungen der Spieler deutlich machen, reden beide Spieler offenbar auch miteinander. Alfonso unterließ es nicht, sogar den Säbel als Zeichen des Krieges darzustellen. Wir haben dieses alte Bild gewählt, weil es bis heute an Aktualität nicht verloren hat und weil das Schachspiel vielfach als ein Kriegsspiel angesehen wird, das im Gegensatz zur schrecklichen Wirklichkeit ausschließ-lich mit friedlichen Mitteln geführt wird.

Schach ist aber mehr als nur ein Spiel. Das Schachspiel erfüllte in seiner langen Geschichte vielfältige Neigungen und Bedürfnisse, die weit über das reine Spielbedürfnis mit Brett und Figuren sowie mit der Suche nach dem Matt hinausgingen. Beispielsweise wurde Schach in deals metaphorisches Modell in allegorischer, symbolischer oder gar ethischer Form verwendet. Mit der Verbindung zum Schach konnten Personen leicht glorifiziert, Moralapostel scheinbar glaubwürdig gemacht oder sogar eine Liebe verdeutlicht werden. Luis Ramirez Lucena, der von 1465 bis 1530 lebte und im Jahre 1497 das älteste, bisher bekannte Buch über das neue Schach mit Dame und Läufer schrieb, verband beispielsweise die Liebe direkt mit dem Schachspiel über seinen Titel "Repetición de amores y Arte de ajedrez". r Literatur oder in der Malerei in vielen Fällen als metaphorisches Modell in allegorischer, symbolischer oder gar ethischer Form verwendet. Mit der Verbindung zum Schach konnten Personen leicht glorifiziert, Moralapostel scheinbar glaubwürdig gemacht oder sogar eine Liebe verdeutlicht werden. Luis Ramirez Lucena, der von 1465 bis 1530 lebte und im Jahre 1497 das älteste, bisher bekannte Buch über das neue Schach mit Dame und Läufer schrieb, verband beispielsweise die Liebe direkt mit dem Schachspiel über seinen Titel "Repetición de amores y Arte de ajedrez".

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